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Im Spannungsfeld von Politik und Medien
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Stadttheater Klagenfurt, 16. 8. 2007
Im Spannungsfeld von Politik und Medien
THE STAGE IS YOURS
Das Stadttheater Klagenfurt feiert sein 100-Jähriges. Intendant Josef E. Köpplinger verlangt seitens der Politik mehr Unterstützung für die Jugend und zieht gegen unwissende Kritiker hart ins Gericht.
"Hausgemachter Jubel - das ist die dümmste Aüßerung, die ich je in einer Zeitung gelesen habe. Eine Ohrfeige, die der Mittelmäßigkeit des Schreibers entsprungen ist." Josef E. Köpplinger
Weekend: Zum 100 jährigen Jubiläum wartet das Stadttheater mit vielen Highlights auf. Welche gefallen Ihnen besonders?
Josef E. Köpplinger: Ehrlich: Alle. Produktionen, die ich selbst mache, liegen mir genauso am Herzen, wie jene, von den Kollegen. Man darf ja erst dann Intendant werden, wenn man keinen Kollegenneid besitzt! Wie Brecht schon sagte: "Neid ist ein Tier, das einen auffrisst."
Weekend: Anders gefragt: Auf was sind Sie stolz?
Josef E. Köpplinger: Dass wir eine Auslastung von 87 Prozent haben - nach der Wiener Staatsoper ist das die höchste Auslastung Österreichs. Und wir sind eigentlich ein viel zu großes Theater. Mit fast 800 Plätzen - für eine Stadt mit 95.000 Einwohnern wären das rund 300 Plätze zu viel. Oder, dass die Österreich-Premiere von "Miss Saigon ` hier bei uns stattfindet und nicht in Wien. Und, dass das musikalische Niveau wirklich gestiegen ist.
Weekend: Die Kunst am Theater ist subventioniert. Dennoch möchten Sie ein Extra-Budget für die Jugend?
Josef E. Köpplinger: Wir sind das einzige Landes- theater, das kein Jugendbudget hat. Trotzdem bieten wir über Kinderkonzerte, zwei Jugend-Theater-Clubs bis hin zu Foyerveranstaltungen für Kleinkinder und die Produktionen im Napoleonstadl (die primär, aber nicht ausschließlich, für Jugendliche gelten) an. Das alles haben wir - und das muss man sich einmal vorstellen - aus dem nicht erweiterten Budget auf die Beine gestellt. Fazit: Wir spielen mehr Vorstellungen, mehr Produktionen - und haben, noch dazu, keine Biennalsprünge im Budget. Jetzt geht sich das noch aus. Aber mit der Saison 2011 / 12 wird es eng. Das Minimum - und das ist schon hopataschig - wären 90.000 Euro für die Jugend. Gute 100.000 wären aber vonnöten, um alles zu erhalten.
Weekend: Sie haben bereits international Erfahrung (Tokio, London etc.) gesammelt. Inwiefern ist Kärnten anders?
Josef E. Köpplinger: Ich glaube, das Provinziellste an Kärnten ist diese seltsame, nicht nachvollziehbare Haltung gegenüber dem Theater seitens der Medien. Die Journalisten haben gar keine Linie in ihrer Betrachtung zum Theater.
Weekend: Woran liegt das?
Josef E. Köpplinger: Ich denke, dass die heutigen Rezensenten einen grundlegenden Fehler machen. Sie schieben immer vor, alles subjektiv beurteilen zu können. Es fehlt ihnen dazu aber entschieden das Handwerk. Und ich denke, dass hier auch nicht weit genug über den Tellerrand geschaut wird. Früher waren Rezensenten ausgebildete Musikwissen- schafter, Sänger, Schauspieler oder Regisseure. Man brachte praktische Theatererfahrung mit. Doch das Publikum lässt sich nicht bestechen: Weder von uns noch von den Medien. Und das ist auch gut so.
Sabine Dlugaszewicz - Weekend - 15. 5. 2010
