Theater St.Gallen [2004] - Stadttheater Klagenfurt [2009]
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Fotos: Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer
» Videoclip
Pucks Late Night Show
Der neue St. Galler Schauspieldirektor Josef E. Köpplinger
inszeniert Shakespeares «Sommernachtstraum»
Beifallsstürme am Theater St. Gallen für Ensemble und Regie: Der neue Schauspiel-direktor Josef E. Köpplinger inszeniert Shakespeares «Sommernachtstraum» zwischen Komödie und Comedy. Viel Lärm um ein Nichts namens Liebe.
Im «Sommernachtstraum» geht es drunter und drüber, naturgemäss vor allem drunter. Unter die knappen Röcke der stöckelbeschuhten Athenerinnen Helena und Hermia. Unter und an den Gürtel, ganz wörtlich, bei den bockstössigen Herren Lysander und Demetrius. Und ab und zu auch unter Niveau. Auf dem Höhepunkt der sommernächtlichen Ekstase veranstaltet das pubertierende Quartett eine viertelstündige Rammelei, bei der die Fetzen fliegen und der Text entfleucht.
Im Sommernachtswald ist die Zivilisation fern und das Triebleben out of control. Verwandlung ist alles. Handwerksmeister Zettel wird in einen Esel «transferiert», den die Elfenkönigin Titania im Liebeswahn anhimmelt. Lysanders Liebe kippt von Hermia zu Helena, Demetrius schwärmt plötzlich auch für die vorher Verschmähte. Auslöser ist, ganz pragmatisch, Elfenkönig Oberons Liebespflänzchen, mit dem er und sein Zeremonienmeister Puck ihre aphrodisische Pharmazie betreiben. Davon und von der Wirkungsmacht der Natur will unsere aufgeklärte Zeit seit langem nichts mehr wissen. Seither ist der Ersatz-Verwandlungsort: das Theater. Shakespeare treibt dies auf die Spitze, indem er die Handwerker ihr Stück im Stück spielen lässt, eine Maskerade mit selbstironischem Stachel, nämlich: Theater ist, wenn Schreiner Schnock den Löwen spielt und uns erklärt, er spiele den Löwen nur, kein Grund also, sich zu ängstigen.
Vivace und fortissimo
Mit einem Wort: ein ideales, anspielungsreiches Stück, um anzufangen. Josef E. Köpplinger nutzt es denn auch als Startvehikel auf vielen Ebenen. Er bietet das Ensemble fast komplett auf und lässt der Spiellust freien Auslauf. Das lässt sich Puck (Livio Cecini) nicht zweimal sagen: ein Teufelskerl, der geigen und Klavier spielen kann, alle Glieder- und Gesichtsakrobatik beherrscht und das Stück kurzerhand zu Pucks Late Night Show macht. Ihm zur Seite residieren Christian Hettkamp als Oberon/Theseus und Dagmar Hellberg, die ihre Titania/Hyppolita in nicht ganz durchschaubarer Distanz hält - ein Rest Geheimnis im sonst geheimnislos offensichtlichen Treiben des Athener Quartetts: Die neuen Ensemblemitglieder Benjamin Plautz, Roman Schmelzer, Yara Blümel und Caroline Sessler bieten munter-hysterische Liebesaction, werfen sich einander an Bein und Busen und hecheln fortissimo.
Subtilere Parodie bietet die Liebhabertruppe der Handwerker. Wunderbar über sein eigenes Verzauberungsglück stolpert der Zettel von Jens Schnarre. Ihn ergänzen Diethelm Stix (Squenz), Marcus Schäfer (Extraapplaus für seinen erbarmungswürdigen Flaut), David Steck (Schlucker) und Matthias Albold (Schnock). Ebenfalls aus dem «alten» Ensemble mit dabei sind Elfe Katja Tippelt und Hans Rudolf Spühler (Egeus).
Wald ohne Zauber
Die Regie nutzt darüber hinaus das Potenzial des Dreispartenhauses. Die von Philipp Egli choreografierte Tanzkompanie stellt Elfen und höfisches Volk, und ein Vokalquartett (Michaela Rüster, Katrin Lüthi, Neal Banerjee, Bernhard Bichler) singt Dowland in den prächtigen Renaissancekostümen von Ausstatte-rin Gera Graf. Schon im Foyer war man empfangen worden mit Feenzauber und Musik - ein Hauch von «Globe» in St. Gallen. Köpplinger situiert seinen Shakespeare denn auch im elisabethanischen Volkstheater, als komödiantisches Entertainment, als «Mischung aus Zirkus und buntem Nachmittag» (so das Programmheft). In diesem Zauberreich der Theatermittel ist er souverän zu Hause, spielt geschickt mit Tempowechseln, setzt feine Zeichen (etwa das Spiel mit dem Schuhwerk) und starke Lichteffekte auf der von Rainer Sinell faszinierend in die Tiefe gezogenen Waldbühne. Ein Traum, ein Schaum, drei sprudelnde und blubbernde, oft einfallsreich funkelnde und hin und wieder arg schwankhafte Stunden. Von Verwandlung allerdings ist in diesen Stunden nichts zu sehen. Männlein und Weiblein kommen, wenn auch jetzt ordentlich zu Paaren gruppiert, so erfahrungslos aus dem Wald zurück, wie sie hineingestolpert sind. Die elementare Unordnung aber - jene Entzweiung zwischen Titania und Oberon, die auf der Erde alle Natur «zerrüttet» hat - bleibt komplett aus dem Spiel. Wie Schnocks netter Löwe ist auch der Wald angstfreie Zone, schöne Kulisse. Titania sagt ihre bestürzenden Sätze ins Leere. Kindertand, sagt Puck im Epilog und verspricht: Wenn wir diesen nicht verschmähen, werde man sich noch bessern, künftighin. Also: nicht verschmähen, hingehen!
Peter Surber, St.Galler Tagesblatt, Sept. 2004
Dass Intendant Josef Ernst Köpplinger auf rasantes Inszenieren steht, bewies er in Klagenfurt des Öfteren. Doch noch nie ist ihm der Spagat zwischen Komödie und Comedy, Slapstick und Parodie besser gelungen als für William Shakespeares erotischen Geniestreich.
Irina Lino, Krone, Sept. 2009
Fulminanter Auftakt für Josef E. Köpplingers dritte Stadttheatersaison: William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gerät in der Regie des Hausherrn keinesfalls zum Albtraum verworrenen Regietheaters. Im Gegenteil, eine der geistvollsten Komödien „aller Zeiten“ entsteht atemberaubend unverstaubt. Vollsaftig als kongeniale Mixtur einstmals typisch englischen Volkstheaters.
Oskar Tonkli, Wiener Zeitung, Sept. 2009
Im Stadttheater Klagenfurt ist der der Saisoneröffnung mit William Shakespeares „Sommernachtstraum“ Rasanz angesagt. Und Intendant Josef Ernst Köpplinger kann beim gesamten Ensemble wieder seine perfekte Personenführung beweisen. Er lässt in seiner eigenen Spielfassung das turbulente Treiben in einem stimmigen Wald mit beweglichen Baumstämmen, einem riesigen Mond und Sternenhimmel (Rainer Sinell), in fantasievollen, stilisierten Kostümen (Gera Graf) rasen, kriechen, schweben.
H. C. Mayer, Kurier, Sept. 2009
Der neue St. Galler Schauspieldirektor Josef E. Köpplinger
inszeniert Shakespeares «Sommernachtstraum»
Beifallsstürme am Theater St. Gallen für Ensemble und Regie: Der neue Schauspiel-direktor Josef E. Köpplinger inszeniert Shakespeares «Sommernachtstraum» zwischen Komödie und Comedy. Viel Lärm um ein Nichts namens Liebe.
Im «Sommernachtstraum» geht es drunter und drüber, naturgemäss vor allem drunter. Unter die knappen Röcke der stöckelbeschuhten Athenerinnen Helena und Hermia. Unter und an den Gürtel, ganz wörtlich, bei den bockstössigen Herren Lysander und Demetrius. Und ab und zu auch unter Niveau. Auf dem Höhepunkt der sommernächtlichen Ekstase veranstaltet das pubertierende Quartett eine viertelstündige Rammelei, bei der die Fetzen fliegen und der Text entfleucht.
Im Sommernachtswald ist die Zivilisation fern und das Triebleben out of control. Verwandlung ist alles. Handwerksmeister Zettel wird in einen Esel «transferiert», den die Elfenkönigin Titania im Liebeswahn anhimmelt. Lysanders Liebe kippt von Hermia zu Helena, Demetrius schwärmt plötzlich auch für die vorher Verschmähte. Auslöser ist, ganz pragmatisch, Elfenkönig Oberons Liebespflänzchen, mit dem er und sein Zeremonienmeister Puck ihre aphrodisische Pharmazie betreiben. Davon und von der Wirkungsmacht der Natur will unsere aufgeklärte Zeit seit langem nichts mehr wissen. Seither ist der Ersatz-Verwandlungsort: das Theater. Shakespeare treibt dies auf die Spitze, indem er die Handwerker ihr Stück im Stück spielen lässt, eine Maskerade mit selbstironischem Stachel, nämlich: Theater ist, wenn Schreiner Schnock den Löwen spielt und uns erklärt, er spiele den Löwen nur, kein Grund also, sich zu ängstigen.
Vivace und fortissimo
Mit einem Wort: ein ideales, anspielungsreiches Stück, um anzufangen. Josef E. Köpplinger nutzt es denn auch als Startvehikel auf vielen Ebenen. Er bietet das Ensemble fast komplett auf und lässt der Spiellust freien Auslauf. Das lässt sich Puck (Livio Cecini) nicht zweimal sagen: ein Teufelskerl, der geigen und Klavier spielen kann, alle Glieder- und Gesichtsakrobatik beherrscht und das Stück kurzerhand zu Pucks Late Night Show macht. Ihm zur Seite residieren Christian Hettkamp als Oberon/Theseus und Dagmar Hellberg, die ihre Titania/Hyppolita in nicht ganz durchschaubarer Distanz hält - ein Rest Geheimnis im sonst geheimnislos offensichtlichen Treiben des Athener Quartetts: Die neuen Ensemblemitglieder Benjamin Plautz, Roman Schmelzer, Yara Blümel und Caroline Sessler bieten munter-hysterische Liebesaction, werfen sich einander an Bein und Busen und hecheln fortissimo.
Subtilere Parodie bietet die Liebhabertruppe der Handwerker. Wunderbar über sein eigenes Verzauberungsglück stolpert der Zettel von Jens Schnarre. Ihn ergänzen Diethelm Stix (Squenz), Marcus Schäfer (Extraapplaus für seinen erbarmungswürdigen Flaut), David Steck (Schlucker) und Matthias Albold (Schnock). Ebenfalls aus dem «alten» Ensemble mit dabei sind Elfe Katja Tippelt und Hans Rudolf Spühler (Egeus).
Wald ohne Zauber
Die Regie nutzt darüber hinaus das Potenzial des Dreispartenhauses. Die von Philipp Egli choreografierte Tanzkompanie stellt Elfen und höfisches Volk, und ein Vokalquartett (Michaela Rüster, Katrin Lüthi, Neal Banerjee, Bernhard Bichler) singt Dowland in den prächtigen Renaissancekostümen von Ausstatte-rin Gera Graf. Schon im Foyer war man empfangen worden mit Feenzauber und Musik - ein Hauch von «Globe» in St. Gallen. Köpplinger situiert seinen Shakespeare denn auch im elisabethanischen Volkstheater, als komödiantisches Entertainment, als «Mischung aus Zirkus und buntem Nachmittag» (so das Programmheft). In diesem Zauberreich der Theatermittel ist er souverän zu Hause, spielt geschickt mit Tempowechseln, setzt feine Zeichen (etwa das Spiel mit dem Schuhwerk) und starke Lichteffekte auf der von Rainer Sinell faszinierend in die Tiefe gezogenen Waldbühne. Ein Traum, ein Schaum, drei sprudelnde und blubbernde, oft einfallsreich funkelnde und hin und wieder arg schwankhafte Stunden. Von Verwandlung allerdings ist in diesen Stunden nichts zu sehen. Männlein und Weiblein kommen, wenn auch jetzt ordentlich zu Paaren gruppiert, so erfahrungslos aus dem Wald zurück, wie sie hineingestolpert sind. Die elementare Unordnung aber - jene Entzweiung zwischen Titania und Oberon, die auf der Erde alle Natur «zerrüttet» hat - bleibt komplett aus dem Spiel. Wie Schnocks netter Löwe ist auch der Wald angstfreie Zone, schöne Kulisse. Titania sagt ihre bestürzenden Sätze ins Leere. Kindertand, sagt Puck im Epilog und verspricht: Wenn wir diesen nicht verschmähen, werde man sich noch bessern, künftighin. Also: nicht verschmähen, hingehen!
Peter Surber, St.Galler Tagesblatt, Sept. 2004
Dass Intendant Josef Ernst Köpplinger auf rasantes Inszenieren steht, bewies er in Klagenfurt des Öfteren. Doch noch nie ist ihm der Spagat zwischen Komödie und Comedy, Slapstick und Parodie besser gelungen als für William Shakespeares erotischen Geniestreich.
Irina Lino, Krone, Sept. 2009
Fulminanter Auftakt für Josef E. Köpplingers dritte Stadttheatersaison: William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gerät in der Regie des Hausherrn keinesfalls zum Albtraum verworrenen Regietheaters. Im Gegenteil, eine der geistvollsten Komödien „aller Zeiten“ entsteht atemberaubend unverstaubt. Vollsaftig als kongeniale Mixtur einstmals typisch englischen Volkstheaters.
Oskar Tonkli, Wiener Zeitung, Sept. 2009
Im Stadttheater Klagenfurt ist der der Saisoneröffnung mit William Shakespeares „Sommernachtstraum“ Rasanz angesagt. Und Intendant Josef Ernst Köpplinger kann beim gesamten Ensemble wieder seine perfekte Personenführung beweisen. Er lässt in seiner eigenen Spielfassung das turbulente Treiben in einem stimmigen Wald mit beweglichen Baumstämmen, einem riesigen Mond und Sternenhimmel (Rainer Sinell), in fantasievollen, stilisierten Kostümen (Gera Graf) rasen, kriechen, schweben.
H. C. Mayer, Kurier, Sept. 2009











