JOSEF ERNST KÖPPLINGER Regisseur - Intendant
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Mozart - Le Nozze di Figaro -
Regensburg [1999] Graz [2010] Klagenfurt [2011]

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Fotos: Oper Graz / Werner Kmetitsch

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Mozart-Liebe ohne Ende

So banal es klingen mag: Mit seiner Inszenierung des "Figaro" geht für Josef E. Köpplinger ein Herzens- wunsch in Erfüllung. Da ist einmal seine Liebe zu Mozart überhaupt und dann eine Affinität zum komödiantischen Vorspiel mit einem tiefen Hintersinn: "Diese Oper ist vollkommen in der Musikgeschichte."

Sein "Weißes Rössl" hat eingefleischten Operet- tenfreunden neue Sehweisen abgenötigt, aber bei Köpplingers "Figaro" muss keinem vor Modern- isierungsversuchen bange sein. "Wir lassen das in der Originalzeit spielen. Und das ist viel schwieriger als jede Aktualisierung."

Den Sängern wird viel abverlangt, auch in Gebärden der Sinnlichkeit. Kürzungen gibt's bei Marcellina und Basilia, dafür singt Figaro (4. Akt) auch mal im Parkett. Eine Kostprobe in Sachen Sinnlichkeit bekommt das Publikum gleich im ersten Bild: Da stecken Susanna und Figaro eindeutig unter einer Decke im dominanten Riesenbett, das freilich an einem Eck auf gestapelten Büchern, ruht. Zur Ausstattung von Rainer Sinell (mit ihm arbeitet er immer wieder zusammen) sagt Köpplinger: "Da wird ein realistischer Raum stilisiert. Dominierend ist das Morbide. Es sieht aus, als wäre die Revolution schon passiert." Tatsächlich bröckelt da der Stuck von ewig hohen Wänden - nach oben hin nur noch nackte Mauer, karg das Mobiliar zwischen Bett und Sessel. Karg war auch die Stimmung während der Endproben: Fast die Hälfte des Ensembles - die Rollen sind doppelt besetzt - hat die Grippe erwischt. "Eine reine Zitterpartie", befand der Regisseur mit Griff zu homöopathischen Hustentropfen.

Wie es mit Köpplinger, den Intendantin Marietheres List 1988 für "West Side Story" erstmals nach Regensburg geholt hat, weiter geht? Fest steht: Die Baseball-Kappe bleibt auf dem Haupt des Senkrechtstarters und List sagt: "So lange ich hier bin, wird der Sepp auch inszenieren." Er tut's gern.

Mittelbayerische Zeitung, 10.12.1999

Fast das wahre Leben
Josef Ernst Köpplinger belebt Mozarts "Figaro" in Klagenfurt

In Klagenfurt schätzt man ihn sehr, den inszenierenden Intendanten Josef Ernst Köpplinger, der ab Herbst 2012 das Münchner Gärtnerplatztheater übernehmen wird. Schon vor vier Jahren, als Köpplinger sein Amt am Stadttheater der Kärntner Landeshauptstadt antrat, begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem dortigen Opernchef und Chefdirigenten Peter Marschik. Auch in der jüngsten Produktion, Wolfgang Amadeus Mozarts "Le Nozze di Figaro", zeigte sich die kongeniale Zusammenarbeit des leidenschaftlichen und immer auf Detailpräzision bedachten Musikers Marschik mit dem virtuosen Personenregisseur Köpplinger.

Denn dies war neben der erstaunlichen musikalischen Leistung das zweite hervorstechende Merkmal dieser Premiere: Dass es von Anfang bis Ende nicht einen Augenblick gab, in dem man sich fragte, warum eine Figur sich so und eine andere so verhielte. Da war mehr als nur ein gut ausgedachtes Konzept im Spiel, da spürte man den Theaterinstinkt des Regisseurs. Natürlich findet man in Klagenfurt kein radikal neues oder gar verstörendes Bühnenbild. Ein historisches Schlosszimmer mit deckenhoher Wandbemalung ist hier angesagt, dazu ein vergleichsweise schäbiges Metallrahmenbett, das den Wunsch Figaros (immer aufgeregt: Pavel Kudinov) glaubhaft macht, ein vom Dienstherrn Graf Almaviva (herausragend: Mathias Hausmann) geschenktes auch anzunehmen. Figaros künftige Frau, die Kammerzofe Susanna (wacker: Cornelia Zach), muss dem naiven Verlobten das eigentliche Ansinnen des Grafen erst erklären. Zach tut dies in der gebotenen Forschheit, verzichtet aber fast gänzlich auf die elegante Schlauheit, die Librettist Da Ponte und Mozart der Figur auch mitgaben. Vielleicht liegt Zach dieser Charakterzug nicht, und vielleicht überzeugt sie amEnde trotzdem in dieser Partie, weil sie sich nicht verstellt.

Das scheint einer von Köpplingers Regieansätzen zu sein: Dass er von den Sängern ausgeht und deren Persönlichkeit, und erst einmal beobachtet und testet, wie weit er deren Charakterzüge für eine Aufführung ändern oder aber sinnvollerweise in die Bühnenfigur einbeziehen kann, sodass sich niemand fremd fühlt in seiner Rolle, sondern glauben kann, er verhalte sich beinahe wie im wirklichen Leben. Trotzdem ist es natürlich Theaterkunst, und gerade Hausmann als Almamiva belegt, wieman mit relativ wenigen Gesten und stattdessen mit profunder Unaufgeregtheit dennoch dramatische Momente anbahnen kann. Regisseur Köpplinger vertraut da durchaus auf die kleinen Gesten, und er vertraut vor allem auf die Musik, deren Vorrang man nicht angreifen darf, wenn die Oper funktionieren soll. Wenn die Sänger in den Rezitativen wirklich miteinander reden und in den Arien aufblühen, als gäbe es kein Leben danach, dann hat auch die Regie schon fast gewonnen. Denn nichts überzeugt auch darstellerisch mehr als ein Sänger, der musikalisch ganz bei sich ist.

Köpplinger spürt das wohl und Marschik liefert ihm mit dem nicht immer erstklassigen Kärntner Sinfonieorchester eine im Verlauf des Abends immer sicherer werdende Grundlage für das ganze Bühnengeschehen, zweitens natürlich einen soliden Rahmen für die Sänger, drittens aber durchaus ein beinahe eigenständiges Klangdrama, das den Protagonisten oft genug Situation und Emotion vorzeichnet. Das hätte man unter diesen Stadttheater-Bedingungen nicht ohne weiteres erwartet, und das muss man wohl voll und ganz dem Dirigenten Marschik zuschreiben.

Es ist schon aufschlussreich, dass am Ende, wenn das große Verwirrspiel beginnt, dieser viel zu komplizierte und beinahe zwangsläufig missglückende Showdown, dass gerade dann die Regie ein bisschen ins Wackeln gerät, weil sich die Sängerdarsteller nun auf ein Rollenverhalten konzentrieren müssen, während gleichzeitig die Musik Fahrt aufnimmt und bei aller virtuosen Bewegtheit ein solider Fels in der dramatischen Brandung sein darf. Insofern wäre es eigentlich logisch, wenn nicht nur Josef Ernst Köpplinger nach München käme, sondern wenn dieses gut eingespielte Team als Doppelpack anträte.

HELMUT MAURÓ, Süddeutsche Zeitung, Mai 2011

Richtiges Leben
Unterhaltsamer als die Windsors:
"Die Hochzeit des Figaro" als schwungvolle Komödie am Stadttheater Klagenfurt

Mozarts Da-Ponte-Opern verführen zahlreiche Regisseure zu gewagten Inszenierungen, die vom Original nicht viel übriglassen; Josef Ernst Köpplinger begegnet am Stadttheater Klagenfurt dem tiefsinnigen Libretto mit Respekt und stellt seine Arbeit niemals über den Text. Trotzdem gelingt es ihm, seine eigene Handschrift mit liebenswürdigen Details herauszukehren: So lässt er Figaro (körperlich) eher ungewöhnliche Maße nehmen oder Don Basilio als aufdringlichen Paparazzo agieren.

Johannes Leiacker gestaltet die Bühne unspektakulär zeitlos, verleiht den einzelnen Szenen aber charakteristische, suggestive Ausdruckskraft. Die Kostüme Marie-Luise Waleks fügen sich dem architektonischen Konzept nahtlos an. Immer nachhaltiger erweist sich Peter Marschik als der geeignete Mann für die musikalische Leitung des Hauses: Hat er erst unlängst mit Mahlers Zweiter eine fulminante Interpretation geboten, zeigt er sich diesmal als subtiler Mozart-Kenner - beeindruckend, wie akzentuiert er die Ouvertüre erklingen lässt, berührend, wie einfühlsam so manche Arie erstrahlt.

Ein gutdisponiertes Kärntner Sinfonieorchester folgt seiner Stabführung mit höchster Konzentration.

Die Gesangssolisten setzen sich unterschiedlich in Szene: Mathias Hausmann (Graf) überstrahlt seine Kollegen nicht nur mit seinem kräftigen, wohltimbrierten Bariton, sondern setzt auch schauspielerische Glanzlichter. Ihm am nächsten kommt Krisztina Szabó, die als Cherubino kaum Wünsche offen lässt. Pavel Kudinov (Figaro) gewinnt mit fortlaufender Handlung an Strahlkraft, Cornelia Zach (Susanna) agiert nach verhaltenem Beginn zunehmend couragierter. Christiane Kohl (Gräfin) gefällt mit höhensicherem Sopran.

Ausgewogen und dynamisch erklingen die berühmten Ensembleparts. Eine Hochzeit, die mehr zu bieten hat als diverse aktuelle Beziehungsevents.

BERNHARD BAYER, derStandard Mai 2011

"Figaro" als temporeicher "toller Tag"
Man traut seinen Augen nicht: Wenn der Vorhang sich hebt, erscheint ein wunderbar ästhetisches Bühnenbild (Johannes Leiacker), das den Geist des verwelkenden Rokoko geschickt mir Requisiten der modernen Welt kombiniert, sodass man auf den ersten Blick erkennen kann, eine Aufführung von Mozarts "Figaro" vor sich zu haben, das ist herrlich!

Inmitten dieses geschmackvollen und abwechslungsreichen Ambientes meidet Josef Ernst Köpplinger jedoch jeden Historismus und lässt die intrikate Handlung temporeich, witzig, leichtfüßig, gelegentlich anzüglich, jedoch nie derb abrollen – "ein toller Tag" (wie der Titel der Vorlage von Beaumarchais lautet) ist es eben, der hier abläuft, so könnte es von Mozart und Da Ponte tatsächlich gemeint gewesen sein. (…)

HARALD HASLMAYER, Die Presse Mai 2011

 
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