JOSEF ERNST KÖPPLINGER Regisseur - Intendant
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Rossini - Die Italienerin in Algier - Staatstheater Saarbrücken [1996]

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Eine Seefahrt, die ist lustig, hollahi

Saarbrücken. Bravo-Rufe und stürmischer Beifall für die vergagte Inszenierung von Rossinis Oper "Die Italienerin in Algier" am Sonntag im Saarländischen Staatstheater.

Ob köchelnder Komponist oder kompositionsreicher Koch; Gioachino Rossini war ein genialer Kunsthandwerker. Bereits die erste abendfüllende komische Oper des 21jährigen, "L'ltaliana in Algeri" die 1813 in nur wenigen Wochen zusammengerührt wurde, galt in Italien und besonders in Frankreich als Schaumzuckerl, nach dessen Genuß man sich ewig verzehrte. In Saarbrücken garnierte man jetzt reichlich mit frischer Sahne und vielen bunten Streuseln und rettete "Die Italienerin" - eine Iszenierung, die zur idealen Silvesterunterhaltung werden könnte.

Aus heutiger Sicht nämlich ist die Story von Angelo Anelli derart ungenießbar, daß die Oper trotz hinreißender Arien und Duette eher ein Fortlaufen aus dem Theater erzwingt - wie ein Abführmittel. Also kamen der Regisseur Joseph Köpplinger, der Dramaturg Matthias Kaiser und der Bühnenbildner Knut Hetzer auf die Idee, die Blödheit mit fleißigem Unernst in die Gegenwart zu verpflanzen. Motto: Nichts ist so absurd, daß es nicht stattfinden würde, und niemand so ungemein scheußlich, daß man ihm nicht begegnen könnte. Demnach wird die schöne Italienerin Isabella bei ihrer Suche nach dem geliebten Lindoro nicht in den Harem des Türken Mustafa, des Bey von Algier, verschlagen. Demnach sollen Mustafas treue Hauptfrau Elvira (Naira Glountehadze) und deren Zofe Zulma (Angela Lösch) nicht mit dem versklavten Lindoro aus Algier verstoßen werden, damit der Bey Platz für frisches Fleisch im Bett hat. Demnach siegen Tricks, Liebe und Moral nicht zu Zeiten muselmanischer Despotie.

Gemeinsam seekrank

Oh, wie die Joswig seufzen, sängerisch strahlen, verführerisch gucken und spielend intrigieren kann. Da ist Tempo in der Oper. Die Rossini-Maschine schnurrt. Und der Hauptvorzug dieser Inszenierung wird deutlich. Der witzige Umgang mit den Kunstmenschen des Komponisten, von denen Ulrich Schreiber in seiner fulminanten "Geschichte des Musiktheaters" schreibt. Die Mechanisierung des Ablaufs und der an ihm Beteiligten zu funktionierenden Rädchen in einem Uhrwerk reduziert die Menschen zu Marionetten, die an unsichtbaren dramaturgischen Fäden hängen." Kennen wir dieses Prinzip nicht auch aus alten UFA-Schinken oder aus Hollywood? Warum also sollte man das heute nicht auf die Schippe nehmen dürfen wie Köpplinger und Hetzer?

Absolut seetüchtig, dieser Rossini.

Burkhard Blatzer, Saarbrücker Zeitung, 5/1996
 
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